SPIELPLÄTZE

IM ÖFFENTLICHEN RAUM  

Durch das Spielen entdecken die Kinder die Welt, lernen Sozialverhalten und vieles mehr, was sie später auf ihrem Lebensweg benötigen. Um all diese Fähigkeiten entwickeln zu können, brauchen sie neben Zeit und Zuwendung der Erwachsenen auch Raum.

Solche wichtigen Räume sind Spielplätze.

Daher unternimmt das Land Oö. größte Anstrengungen zur Errichtung neuer und Modernisierung bestehender Spielplätze.

Wozu Spielplätze?

Erwachsene stellen sich diese Frage wahrscheinlich öfters. In ihrer Kinderzeit kamen sie ohne Spielplätze aus. Es gab sicher einen kleinen Wald oder eine "Gstettn" hinterm Haus. Vielleicht war sogar ein Bach in der näheren Umgebung zu finden. Federball konnte - wenn auch nicht erlaubt, so doch geduldet - auf der Strasse gespielt werden, sofern rechtzeitig für die wenigen Autos, die damals fuhren, Platz gemacht wurde.

Heute ist die "Gstettn" verbaut, der Bach schon längst verrohrt und das Wäldchen in einen Parkplatz umfunktioniert, so dass kaum mehr freie Spielflächen in Wohngegenden zur Verfügung stehen.

Sind solche unverbauten Freiflächen doch noch vorhanden, so ist die Tendenz zu beobachten, dass diese eingezäunt oder die Kinder daraus verjagt werden.

Kinder benötigen jedoch Freiräume für ihre gesunde, soziale und emotionale Entwicklung.

Funktionen eines Spielplatzes

Spielplätze sind eine Möglichkeit Kindern Ersatz für verlorene Freiräume zu schaffen, in denen sie sich frei und sicher entfalten können.

Sie sind gleichzeitig auch immer Orte der Kommunikation und Begegnung, Treffpunkte für Jung und Alt.

Die wichtigste Funktion eines Spielplatzes - neben der Begegnung - ist sicher, dass vielfältige Möglichkeiten der Bewegung geboten werden. Laufen, Springen, Kriechen, Klettern oder Rutschen sind hier nur beispielhaft erwähnt.

Schritt für Schritt zum Spielplatz

Fotoquelle: AIK/Angela Ruep: Kinder am Spielplatz

Vorbereitung

Vor der konkreten Planung sind bereits einige grundlegende Überlegungen zu treffen, die für den Erfolg des Spielplatzes extrem wichtig sind.

Gesamtkonzept

Um zu einem Gesamtkonzept zu gelangen bedarf es einer Bestandsaufnahme, die neben vorhandenen Spielplätzen auch andere bespielbare Flächen und genauso Treffpunkte für Jugendliche beinhaltet. Weiters sollten in einer Bedarfserhebung die Anforderungen im Hinblick auf Erreichbarkeit und Altersgruppen geklärt werden. Besonders wichtig dabei sind auch die Erhebung der Bedürfnisse und die Einbeziehung von Jugendlichen, um zu verhindern, dass ein Spielplatz für Kleinkinder von Jugendlichen in Beschlag genommen wird und durch nicht "adäquate Benützung" für die eigentliche Zielgruppe unbespielbar wird.

Planungsgruppe

Es kommt nicht selten vor, dass die Initiative für die Errichtung eines Spielgeländes von Eltern, Anrainer/innen oder Bewohner/innen einer Wohnhausanlage erfolgt. Dies kann gleich der Anlass sein, um eine Planungsgruppe einzurichten, in der alle Personen mitarbeiten, welchen die Gestaltung des Spielgeländes ein Anliegen ist und die bereit sind, ihre Kräfte einzusetzen und meistens auch ihre Freizeit dafür zu opfern.

Zielgruppe

Einer der ersten Schritte wird sein, sich über die zukünftigen "Benutzer/innen" des Spielgeländes Gedanken zu machen. Das wichtigste Kriterium ist in diesem Fall das Einzugsgebiet. Welche Kinder oder Jugendliche werden aller Wahrscheinlichkeit das Gelände am intensivsten frequentieren?

Ideensammlung

Die Bedürfnisse der späteren "Benutzer/-innen" müssen herausgefunden werden. Dies kann durch gemeinsamen Besprechungen der Planer/-innen oder Spielplatzerhalter mit Eltern und Kindern oder auch durch intensivere Beteiligung dieser Gruppen wie zum Beispiel Workshops geschehen. Aus den Ideen und Bedürfnissen lässt sich dann ein Grundkonzept erstellen, das als Basis für die Planung fungiert. Es ist vorteilhaft, eine/n Planer/-in beizuziehen, die/der bereits Erfahrung mit Spielplätzen hat und auch die Einhaltung der ÖNORM EN 1176/Teil 1-6 und ÖNORM EN 1177 gewährleistet

Technische Planung

Der technische Vorgang der Planung beginnt mit einem Bestandsplan, der Auskunft über die momentane Situation des Geländes gibt. Danach wird ein Vorentwurf erstellt, in dem die Platzverteilung, die Funktionen und alle anderen Änderungen ersichtlich gemacht werden. Dieser ist Basis für weitere Gespräche und stellt den ersten Vorschlag dar. Nun werden noch solange Änderungen vorgenommen oder neue Vorschläge gebracht, bis die hoffentlich optimalste Lösung für das Projekt gefunden ist. Der Ausführungsplan als das endgültige Ergebnis bildet dann die Grundlage für die Umsetzung. Neben dem eigentlichen Plan ist es auch wichtig, einen Zeitplan, einen Arbeitsplan über sämtliche Arbeitsschritte und eine Materialliste zu erstellen. Materialliste und Arbeitsplan bilden die Grundlage für die Einholung von Anboten, wodurch eine Kostenschätzung ermöglicht wird. Öffentlichkeitsarbeit Die Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, die Bevölkerung (Erwachsene und Kinder) möglichst bald über das geplante Vorhaben zu informieren. Parallel dazu sollte man immer versuchen, die Transparenz durch begleitende

Öffentlichkeitsarbeit

für die Betroffenen zu bewahren, da so die Durchführung erleichtert und die Akzeptanz größer sein wird. Öffentlichkeitsarbeit kann in Form von Informationsveranstaltungen an Schulen und Kindergärten erfolgen, über Artikel in (Lokal-)Zeitungen oder über Plakatständer, welche direkt auf dem geplanten Spielplatz aufgestellt werden und Infos liefern.

 

Umsetzung


Organisation der Materialien

Grundsätzlich sollte immer versucht werden, örtlich vorhandene Materialien zu verwenden. So sollten z.B. Steine aus der Umgebung Verwendung finden, da die Transportkosten meist höher sind als die eigentlichen Materialkosten. Zusätzlich zum Ankauf gibt es oft einfache und billige "Quellen" für die Beschaffung von Materialien. Wird in der Gegend gebaut, fällt meist Aushubmaterial an. Auch Weidenruten oder Baumstämme lassen sich meist um wenig Geld organisieren.

Umsetzungsarbeiten

Die Umsetzungsarbeiten können zur Gänze mit Firmen durchgeführt werden, was sicher die kostenintensivste Lösung darstellt. Bewährt hat sich in der Praxis, einen Teil mit Firmen durchzuführen, einen weiteren Teil der Arbeiten vom Personal der Spielplatzerhalter (zB. Gemeindearbeitern) ausführen zu lassen und schließlich gewisse Arbeiten mit den Eltern und Kinder zu erledigen. Wichtig beim Arbeiten mit Freiwilligen ist eine gute Organisation und Vorbereitung der "Arbeitseinsätze" sowie ein gemütlicher Ausklang. Überall dort wo "kreatives Gestalten" gefragt ist, sind Eltern und Kinder die richtigen Partner/-innen. So wird nicht nur Geld gespart, sondern auch die Identifikation und das Verantwortungsbewusstsein für das Gelände wird gefördert.

Betrieb

Mit der Errichtung eines Spielgeländes alleine ist es jedoch noch nicht getan. Um auf einem Spielplatz auf Dauer für die nötige Sicherheit und Hygiene zu sorgen, ist es nötig, ihn in regelmäßigen Abständen zu begutachten und Mängel zu beheben. Die Wartungsintervalle und genauen Anforderungen sind in der ÖNORM EN 1176/Teil 7 festgelegt.

Bespielbare Gemeinde

Kinder spielen überall.

Ihre Aktivitäten können und sollen nicht nur auf den Spielplatz beschränkt werden. Die "Bespielbare Gemeinde" ist nicht ohne Grund zum Schlagwort in Österreich geworden.

Wir verstehen darunter, dass die gesamte Gemeinde für Kinder bespielbar sein sollte, indem bei Entscheidungen im öffentlichen aber auch privaten Bereich auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder eingegangen wird.

Das fängt damit an, dass die täglichen Wege der Kinder in die Schule, auf den Spielplatz, zum Einkaufen, ... sicher und gefahrlos gestaltet werden sollten, bis zu dem, dass öffentliche Bereiche von Kindern zum Spielen genutzt werden können. Gesetze alleine bewirken jedoch keine Kinderfreundlichkeit. Erst durch Bewusstseinsbildung können wir ein Umdenken erreichen.

Letzte Änderung am Thu, 23.02.2017 um 17:23 Uhr