SPIELPÄDAGOGIK ALS METHODE DER INTEGRATION

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[Jugendliche mit migrantischem Hintergrund]

SPIEL BLEIBT IMMER SPIEL?

DIE QUALITÄT DES SPIELS IN DER INTEGRATIVEN JUGENDARBEIT

Spiele fördern die Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungsfähigkeit. Gerade in der jetzigen Zeit, in der Wissen und Technik in der Erwachsenenwelt stark im Vordergrund stehen, stellt die Förderung sozialer und emotionaler Fähigkeiten ein wichtiges Ziel dar. Soziales Lernen ist sowohl im Kindergarten, als auch in der Schule aber auch im Freizeitbereich in Jugendgruppen zum Begriff geworden. Spiel ist in der Sozialisation des Kindes das bedeutendste Medium. Durch Spiel lernen wir die Muttersprache, lernen gehen, erlernen soziales Verhalten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Aufgabe aller PädagogInnen sollte es daher sein, die Bedeutung des Spiels bewusster zu machen. Denn obwohl jedem klar ist, dass Kinder hauptsächlich durch Spiel in die Gesellschaft hineinwachsen, so wird es dennoch von zu vielen - zumindest ab Schulbeginn - als Zeitverschwendung betrachtet. Dabei kommt dem Spielen als eine der kommunikativsten, kreativsten, sinn- und lustvollsten Beschäftigung in einer Zeit, die durch Vereinsamung und Isolation gekennzeichnet ist, eine bedeutende Rolle zu.

Fernseher, PC und Video bieten Kindern und Jugendlichen eine einfache Möglichkeit aus einer kommunikationsarmen Umgebung zu flüchten. Diese Medien sind immer vorhanden und auch immer ansprechbar. Was es für eine Gesellschaft heißt, wenn elektronische Medien den Gesprächspartner ersetzen und dadurch die Kommunikations- und Konfliktfähigkeit abnimmt, ist in verschiedenen Bereichen bereits deutlich sichtbar. Die Toleranz gegen Andere wird geringer, die Isolation des Einzelnen nimmt zu, Gemeinschaftsstrukturen zerfallen. Spiel ist eine Alternative, die gemeinsames Handeln, gemeinsamen Spaß und Kommunikation fördert.

Dabei kann nicht gesagt werden, dass Spielen zweckfrei sei, denn es ist nicht gleichgültig was oder wie gespielt wird. Ob in einem Spiel eine Aufgabe gemeinsam gemeistert werden muss oder nur zählt, wer als erster die Lösung findet, ist für den sozialen und emotionalen Lerneffekt von großer Bedeutung. Im Spielen wird sehr viel so nebenbei gelernt: Wenn etwa Jugendliche in einem Jugendclub den Vorgang des "Aufreißens" nachspielen und vielleicht dann noch die Geschlechterrollen vertauschen, macht das allen Spaß. Nebenbei erleben sie aber eine Distanzierung zu den Stereotypen und schaffen etwas Raum für neue Verhaltensweisen. 

Aus der Entwicklungspsychologie ist bekannt, dass frühe Sinneserfahrungen die Kreativitätsentwicklung sehr stark fördern. Durch Erfahren und "Begreifen" von Objekten der Umgebung und durch frühe Förderung verschiedenster Sinneswahrnehmungen wird die Hirnstruktur verbessert und gleichsam die Hardware, die Nervenbahnen, ausgebaut. Dazu hat sich sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen das schöpferische Spiel bewährt. Das schöpferische Spiel muss sich intrinsisch motivieren, das heißt, von innen heraus und kann nicht durch einen äußeren Zwang oder gar Drill angeregt werden.

Fotoquelle: JugendReferat 

Fotoquelle: JugendReferat

SPIEL ALS MITTEL DER KREATIVITÄTSFÖRDERUNG  

Schulmäßiges Training führt meistens nur zu eingelernten Routinen und nicht dazu, sich in kreativer Weise mit seiner Umgebung auseinander zu setzen. Leider wird in unserer Gesellschaft immer noch, zumindest ab dem Schulalter, das Spiel als etwas Unwesentliches angesehen. Der Ausspruch "zuerst die Arbeit, dann das Spiel", weist darauf sehr stark hin. Spiel ist eben immer lustvoll. Es unterscheidet sich von der Arbeit dadurch, dass es freiwillig und von der Freude an der Sache geleitet erfolgt. Spiel führt zu differenzierter Wahrnehmung der Umwelt, was wiederum bedeutet, dass höhere geistige Leistungen und die Fähigkeit zum abstrakten Denken und kreativem Problemlösen gefördert werden. Dass dies passiert, erfordert das Spiel Zeit und Raum. Spielerisches Erarbeiten von Inhalten ist immer mit mehr Aufwand an Zeit und Raum verbunden als schulisches Lernen, beinhaltet dafür aber auch eine wesentlich nachhaltigere Wirkung.

FOLGENDE FÄHIGKEITEN KÖNNEN zB IM SPIEL GELERNT WERDEN

  • Soziales Verhalten
    Kooperation, Vertrauen - Sicherheit in der Gruppe, Problemlösung, verbale Interaktion, Körperkontakt, Anpassungsfähigkeit an das Verhalten anderer Menschen;
  • Individuelles Verhalten
    Selbstkontrolle, Kreativität, Spontanität, Ausdruckstraining;
  • Körperliche Fähigkeiten
    Visuelle Wahrnehmung und Beobachtung, Sensibilisierung anderer Sinne, Geschicklichkeit, Reaktionsfähigkeit, Schnelligkeit, Stärke, Ausdauer, Gleichgewicht;

VERÄNDERN VON SPIELEN

Eine der besten Methoden Integration positiv zu beeinflussen ist das Spiel. Diese müssen natürlich für jede Gruppe ausgesucht und abgestimmt werden, trotzdem kann es - besonders in Gruppen mit unterschiedlichen Vorraussetzungen oder Fähigkeiten - schnell einmal passieren, dass ein Spiel mit der Originalregel nicht funktioniert und daher abgeändert werden muss. Bei Personen mit Sprachschwierigkeiten etwa können z.B. die Spielregeln in Zeichensprache oder einfach durch Vorzeigen erklärt werden.

Wichtig dabei bleibt, auf die Gruppendynamik zu achten und insbesondere auch Anregungen aus der Gruppe aufzunehmen. Sollte trotzdem einmal ein Spiel nicht klappen, so kann man sich einen der Vorteile des Spiels zu Nutze machen und aussteigen. Spiel bleibt nämlich immer Spiel und soll vor allem Spaß machen.

Letzte Änderung am Thu, 23.02.2017 um 10:14 Uhr